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Hexenschuss: Was jetzt hilft und was nicht

Warum Bettruhe beim Hexenschuss meist die falsche Idee ist, was Wärme und kleine Wege bringen und wann der Rückenschmerz ärztlich abgeklärt werden sollte

Hexenschuss. Ein falscher Dreh beim Getränkekisten-Heben, ein schneller Griff nach der Socke unter dem Bett, und plötzlich geht gar nichts mehr. Der Rücken schießt zu, jede Bewegung tut weh, und du stehst da wie eingefroren. Wer das einmal erlebt hat, versteht sofort, woher der Name kommt.

Die beruhigende Nachricht vorweg. Häufig bessern sich die Schmerzen rasch von selbst. Was du in den ersten Tagen machst, kann aber einen spürbaren Unterschied machen.

Was beim Hexenschuss im Rücken passiert

Medizinisch heißt der Hexenschuss Lumbago oder akute Lumbalgie, also ein plötzlicher Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ausgelöst wird er meist durch Bücken, Heben oder eine Drehbewegung, manchmal auch durch Kälte und Nässe. So beschreibt es das österreichische Gesundheitsportal.

Dahinter stecken oft verspannte Muskeln. Möglich sind aber auch Veränderungen an den Bandscheiben, blockierte oder gereizte kleine Wirbelgelenke oder eine Arthrose. Begünstigt wird das Ganze durch eine schwache Rückenmuskulatur, Fehlhaltungen, Übergewicht, zu wenig Bewegung, Überlastung und (ja, wirklich) durch Stress und seelische Belastung.

Hexenschuss, was tun in den ersten Tagen?

Klingt komisch, ist aber der wichtigste Tipp.

Bleib so normal aktiv, wie es eben geht. Bettruhe solltest du eher vermeiden, auch wenn das Sofa noch so verlockend ruft. Kurze Spaziergänge durch die Wohnung oder um den Block halten die Muskulatur in Bewegung und verhindern, dass du dich komplett festhältst. Das fühlt sich in den ersten Minuten oft steif und wackelig an, wird aber mit jedem Schritt meistens ein bisschen leichter, und genau dieses Gefühl, dass der Rücken wieder mitmacht, ist für viele der Wendepunkt.

Zwischendurch darfst du natürlich entlasten. Viele empfinden die sogenannte Stufenlagerung als angenehm. Du liegst auf dem Rücken, die Unterschenkel liegen hoch auf einem Stuhl oder Hocker, und zwar so, dass sie etwa im rechten Winkel zu den Oberschenkeln stehen.

Wärme ist der zweite Klassiker. Eine Wärmflasche, ein Körnerkissen oder ein Wärmepack kann die verkrampfte Muskulatur entspannen. Und Schmerzmittel? Die gibt es, etwa Ibuprofen. Die Einnahme solltest du aber vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt abklären, vor allem wenn du andere Medikamente nimmst oder Magenprobleme hast.

Was eher nicht hilft

Tagelang flach liegen, aus Angst, etwas kaputtzumachen. Ruckartige Bewegungen, um den Rücken mal eben einzurenken. Und ein hartes Training, sobald der Schmerz ein bisschen nachlässt. Lass dem Rücken ein paar Tage, steigere die Bewegung langsam und hör auf, wenn es stärker zieht.

Wann du zum Arzt solltest

Werden die Beschwerden nicht besser, sind sie unklar oder nehmen deutlich zu, gehören sie ärztlich angeschaut, etwa in der Hausarztpraxis oder bei einer Orthopädin oder einem Orthopäden.

Strahlt der Schmerz über das Gesäß bis ins Bein, ist meist zusätzlich der Ischiasnerv gereizt. Mehr dazu liest du in unserem Artikel zum Ischias. Sofort ärztliche Hilfe brauchst du, wenn Lähmungserscheinungen auftreten, sich der Schritt taub anfühlt oder du Probleme mit Blase oder Darm bekommst. Diese Warnzeichen nennt die Techniker Krankenkasse für Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen.

Im Zweifel ruf also einmal zu früh an statt zu spät.

Hexenschuss im Arbeitsalltag

Der Klassiker passiert ja nicht beim Sport, sondern zwischen Schreibtisch, Auto und Einkaufstüten. Und dann steht am nächsten Morgen die Frage im Raum, ob du überhaupt zur Arbeit kannst. Das entscheidest du am besten zusammen mit deiner Hausarztpraxis, denn je nach Job sieht das sehr unterschiedlich aus. Wer im Homeoffice sitzt, kann sich den Tag oft leichter einteilen, steht regelmäßig auf, geht ein paar Schritte durch die Wohnung und legt sich zwischendurch für ein paar Minuten in die Stufenlagerung. Wer dagegen schwer heben muss (Pflege, Handwerk, Lager), sollte den Rücken in den ersten Tagen nicht gleich wieder voll belasten.

Ein Kollege, der dir die Kiste abnimmt, ist in dieser Phase Gold wert.

Damit der nächste Hexenschuss ausbleibt

Eine Garantie gibt es nicht.

Aber ein kräftiger, beweglicher Rücken ist deutlich schwerer aus der Ruhe zu bringen. Das Gesundheitsportal nennt als Vorbeugung gezieltes Rückentraining, regelmäßige Bewegung, eine gute Sitzhaltung bei der Arbeit und rückenschonendes Heben und Tragen. Für Letzteres gilt die alte Regel aus der Rückenschule, in die Knie gehen, Last nah am Körper und beim Heben nicht verdrehen.

Wenn der Schmerz abgeklungen ist, sind ruhige Übungen ein guter Einstieg. Ideen findest du in unserem Beitrag Yoga für den Rücken. Für eine stabile Körpermitte lohnt sich später auch der Plank, sauber ausgeführt und in kleinen Dosen.

Hat es dich schon mal erwischt? Und was hat dir damals am meisten geholfen?

Legende der Fachbegriffe

Hexenschuss: Umgangssprachlich für plötzlich einschießende Schmerzen im unteren Rücken.

Lumbago: Medizinischer Begriff für den akuten Kreuzschmerz, auch akute Lumbalgie genannt.

Lendenwirbelsäule: Unterer Abschnitt der Wirbelsäule mit fünf Wirbeln, der viel Gewicht tragen muss.

Stufenlagerung: Entlastende Rückenlage, bei der die Unterschenkel hoch und etwa rechtwinklig zu den Oberschenkeln liegen.

Rechtlicher Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten medizinischen und gesundheitlichen Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung auf fittrend.de. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifiziertes Fachpersonal. Gemäß den Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes (HWG), den Regelungen zu Health Claims sowie den Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit stellen die Beschreibungen keine Heilversprechen dar.