StartGesundheitIschias: Was bei Schmerzen im Bein wirklich hilft

Ischias: Was bei Schmerzen im Bein wirklich hilft

Woran du einen gereizten Ischiasnerv erkennst, warum Bewegung meist besser ist als Liegen und bei welchen Warnzeichen du sofort ärztliche Hilfe brauchst

Ischias meldet sich selten höflich. Eben noch die Schuhe gebunden, und plötzlich zieht es vom Po bis in die Wade. Einseitig, gemein und meistens genau dann, wenn man es am wenigsten braucht. Die gute Seite gibt es trotzdem. Bei den meisten Betroffenen klingen die Beschwerden innerhalb von Wochen oder Monaten von selbst wieder ab. Und du kannst einiges dafür tun, dass es eher Wochen werden.

Ischias, was ist da eigentlich los?

Der Ischiasnerv ist ein großer Nervenstrang. Er läuft vom unteren Rücken über Becken, Gesäß und Oberschenkel bis hinunter in die Füße. Wird er an seinem Ursprung gereizt, strahlt der Schmerz entlang dieser Strecke aus. Mediziner sprechen dann von einer Ischialgie (tut zusätzlich der untere Rücken weh, heißt das Ganze Lumboischialgie).

Typisch ist ein Schmerz, der vom Rücken ins Bein zieht, meist nur auf einer Seite. Manche beschreiben ihn als dumpf, andere als ziehend oder stechend. Beim Husten, Niesen oder Pressen wird er oft stärker. Dazu können Kribbeln, ein taubes Gefühl oder eine Schonhaltung kommen, so fasst es die Techniker Krankenkasse in ihrem Ratgeber zusammen.

Woher kommen Ischiasschmerzen?

Am häufigsten steckt ein Bandscheibenvorfall im unteren Rücken dahinter, der auf die Nervenwurzeln drückt. Seltener sind eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) oder ein Gleitwirbel der Grund.

Begünstigt wird das Ganze unter anderem durch Rauchen, Übergewicht und schwere körperliche Arbeit. Und, das überrascht viele, auch durch psychische Belastung wie Dauerstress, Ängste oder eine Depression. Der Rücken hört eben mit, wenn der Kopf voll ist.

Wer mehrere dieser Punkte bei sich wiederfindet, muss nicht gleich in Panik geraten, hat aber ein paar gute Ansatzpunkte für die Zeit, wenn der akute Schmerz vorbei ist. Ein paar Kilo weniger, mehr Bewegung im Alltag oder ein kritischer Blick auf den eigenen Stresspegel können dem Rücken langfristig helfen.

Bewegen statt Liegen

Klingt hart, wenn jeder Schritt zieht. Ist aber die wichtigste Grundregel. Wer länger im Bett bleibt, riskiert, dass die Muskulatur abbaut, und das macht den Rücken auf Dauer nicht stabiler. Also kurze Wege gehen, zwischendurch die Position wechseln und den Alltag so gut es geht weiterlaufen lassen, auch wenn der Gang zum Bäcker an manchen Tagen doppelt so lange dauert wie sonst und der Weg zurück sich anfühlt wie ein Halbmarathon.

Klingt nach wenig? Es macht einen Unterschied.

Was beim Akutschmerz vielen hilft, ist die Stufenlagerung. Du legst dich auf den Rücken und die Unterschenkel auf einen Stuhl oder ein dickes Kissen, sodass Hüfte und Knie ungefähr im rechten Winkel gebeugt sind. Diese Position beschreibt auch das österreichische Gesundheitsportal als entlastend.

Sobald es etwas besser geht, kannst du sanfte Übungen ausprobieren. Die TK nennt zum Beispiel diese drei.

  • Knie zur Brust ziehen, im Liegen und ganz ruhig, erst ein Bein, dann das andere.
  • Rotation im Liegen, also beide angewinkelten Knie langsam zur Seite sinken lassen.
  • Die Stufenlagerung als Pause zwischendurch.

Die Regel dabei ist einfach. Nichts Ruckartiges und nichts, was den Schmerz verstärkt. Brennt es stärker ins Bein, hörst du auf. Eine Wärmflasche oder ein warmes Bad tut vielen gut, nur wissenschaftlich untersucht ist das kaum. Es ersetzt also keine Behandlung, darf aber gern Teil deines Feierabends sein.

Was die Medizin anbietet

Geht der Schmerz nicht weg, gibt es weitere Möglichkeiten, die du mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt besprichst. Ein Punkt aus dem TK-Ratgeber hat uns beim Recherchieren tatsächlich überrascht, weil viele bei hartnäckigen Nervenschmerzen sofort an die Spritze denken. Kortisonspritzen wirken laut Studien nur kurzzeitig. Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen infrage.

Diese Warnzeichen darfst du nie aussitzen

Ganz selten drückt ein Bandscheibenvorfall so stark, dass ein sogenanntes Kauda-Syndrom entsteht.

Das ist ein Notfall.

Lass dich sofort ärztlich untersuchen, wenn eines davon auftritt.

Lähmungserscheinungen im Bein oder Fuß. Ein taubes Gefühl im Schritt, also an den Innenseiten der Oberschenkel oder im Genitalbereich. Probleme mit Blase oder Darm, etwa wenn du den Urin nicht mehr halten kannst.

Dann bitte nicht bis Montag warten.

So kommst du durch die nächsten Tage

Ischias ist zäh, aber selten von Dauer. Bleib in Bewegung, so viel es eben geht, nutz die Stufenlagerung als kleine Auszeit und mach die Übungen nur im schmerzfreien Bereich. Kennst du die Warnzeichen, kannst du den Rest mit etwas Geduld meist gut selbst steuern. Wenn das Schlimmste vorbei ist, lohnt sich ein Blick auf unsere Rückenübungen aus dem Yoga. Und falls du merkst, dass eine Seite deines Körpers deutlich mehr arbeitet als die andere, hilft dir unser Artikel zu muskulären Dysbalancen weiter.

Wie lange plagt dich der Ischias schon? Schreib es uns gern in die Kommentare.

Legende der Fachbegriffe

Ischiasnerv: Großer Nervenstrang, der vom unteren Rücken über Gesäß und Bein bis in den Fuß verläuft.

Ischialgie: Fachbegriff für Schmerzen entlang des Ischiasnervs.

Lumboischialgie: Ischiasschmerz, bei dem zusätzlich der untere Rücken schmerzt.

Spinalkanalstenose: Verengung des Wirbelkanals, durch den das Rückenmark und die Nervenwurzeln verlaufen.

Kauda-Syndrom: Seltener Notfall, bei dem Nervenwurzeln am unteren Ende des Wirbelkanals stark eingeengt sind.

Rechtlicher Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten medizinischen und gesundheitlichen Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung auf fittrend.de. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifiziertes Fachpersonal. Gemäß den Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes (HWG), den Regelungen zu Health Claims sowie den Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit stellen die Beschreibungen keine Heilversprechen dar.