StartFitnessVO2max verbessern: Unterschätzter Wert für gesundes Altern

VO2max verbessern: Unterschätzter Wert für gesundes Altern

Wie maximale Sauerstoffaufnahme dein Sterberisiko senkt, wie präzise Smartwatches wirklich messen und mit welchen Intervallen du dein Herz-Kreislauf-System effektiv stärkst

Wer seine VO2max verbessern will, schaut meist zuerst auf die Zahl in der Smartwatch-App. Hinter dem sperrigen Kürzel steckt aber eine der spannendsten Fragen der Gesundheitsforschung: Wie gut versorgt sich dein Körper mit Sauerstoff, wenn es wirklich darauf ankommt? Die VO2max beschreibt, wie viele Milliliter Sauerstoff du pro Kilogramm Körpergewicht und Minute maximal aufnehmen und verwerten kannst. Sie zeigt damit, wie gut dein Herz, Lunge, Blut und die Muskeln als Team funktionieren.

VO2max verbessern: Warum dieser Wert so viel über dich verrät

Eine große Auswertung der Cleveland Clinic mit 122.007 Patientinnen und Patienten kam 2018 zu einem klaren Ergebnis: Je fitter die Menschen beim Belastungstest auf dem Laufband abschnitten, desto niedriger lag ihr Sterberisiko in den folgenden Jahren. Eine Obergrenze für diesen Zusammenhang fanden die Forschenden nicht. Eine geringe Fitness war in der Analyse ähnlich stark oder sogar stärker mit dem Sterberisiko verknüpft als klassische Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes.

Das ist eine unbequeme Botschaft für alle, die Fitness nur über die Waage oder den Bizepsumfang definieren. Ausdauer ist kein Thema nur für Marathonläufer. Sie bestimmt mit, wie leicht dir mit 60 Jahren der Weg in den vierten Stock fällt oder ob du mit 75 noch eine Radtour durch die Weinberge genießen kannst.

Die Schattenseite des Longevity-Hypes

In der Longevity-Szene wird die VO2max gerade zur neuen Wunderzahl erklärt. Ganz so einfach ist es aber nicht. Die Daten aus Cleveland stammen aus einer Beobachtungsstudie. Sie zeigen einen Zusammenhang, doch ob die Fitness allein die Ursache ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Gene, Vorerkrankungen, Ernährung und Schlaf spielen mit hinein.

Dazu kommt die Technik: Die Werte deiner Uhr sind Schätzungen aus Puls, Tempo und Profildaten. Für einen Trend über Wochen taugen sie, eine genaue Messung liefert erst eine Spiroergometrie in der sportmedizinischen Praxis. Wer seine VO2max verbessern möchte, nutzt die Uhr am besten als Trendanzeige und lässt sich von einzelnen Tageswerten nicht verrückt machen.

Intervalle bringen den Puls an die Grenze

Die gute Nachricht: Ausdauer lässt sich in jedem Alter trainieren. Wer die VO2max verbessern will, braucht zwei Zutaten. Die erste ist eine breite Basis aus lockerem Ausdauertraining, bei dem du dich noch unterhalten kannst. Wie das funktioniert, liest du in unserem Artikel zum Zone-2-Training.

Die zweite Zutat sind kurze, fordernde Reize. Gut untersucht ist die 4×4-Methode der Norwegischen Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität. Nach zehn Minuten Aufwärmen folgen vier Intervalle von je vier Minuten bei 85 bis 95 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz, dazwischen jeweils drei Minuten lockere Erholung. Die Forschenden empfehlen zwei bis drei solcher Einheiten pro Woche, um die Fitness zu steigern, und eine pro Woche, um sie zu halten. Ohne Pulsgurt hilft beispielsweise die Atmung als Orientierung: In den harten Minuten bringst du nur noch einzelne Worte heraus.

Ehrlich gesagt sind diese Intervalle unangenehm. Genau darin liegt der Trainingsreiz. Wenn du Herzprobleme oder Bluthochdruck hast oder lange keinen Sport gemacht hast, lass dich am besten mal ärztlich durchchecken, bevor du intensiv loslegst.

So passt Ausdauer in deinen Alltag

Die nationalen Bewegungsempfehlungen nennen für Erwachsene mindestens 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensivere Ausdaueraktivität pro Woche, dazu muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen. Das klingt viel, lässt sich aber gut verteilen: Treppe statt Aufzug, zügig zum Bäcker, mit dem Rad ins Büro.

Gerade jetzt im Oktober, wenn die Abende dunkler werden und am 25. Oktober die Uhren zurückgestellt werden, hilft jedem, der seine VO2max verbessern will, ein fester Termin. Mach die Mittagspause zur flotten Walking-Runde und den Sonntag zum Tag für die längere Einheit.

Wenn du als Einsteiger deine VO2max verbessern möchtest, heißt das konkret: Plane vier Wochen lang drei lockere Einheiten zu je 30 Minuten ein, egal ob Laufen, Radfahren oder zügiges Gehen. Danach ersetzt du eine davon durch eine 4×4-Einheit, zum Beispiel beim Bergaufgehen oder auf dem Rad. Teste einmal im Monat dieselbe Strecke und vergleiche Zeit und Puls. Nach harten Tagen gönnst du dir bewusst lockere Tage und ausreichend Schlaf, denn die Anpassung passiert in der Erholung.

Fazit: Deine Ausdauer als Vorsorge fürs Alter

Die VO2max ist ein ehrlicher Spiegel deiner Ausdauer. Wer seine VO2max verbessern will, kommt mit Regelmäßigkeit, einer lockeren Basis und ein bis zwei fordernden Einheiten pro Woche schon weit. Du stärkst damit eine Fitness, die in der Cleveland-Auswertung mit einem geringeren Sterberisiko einherging, und kannst im Alltag mehr Luft für Treppen, Ausflüge und Spiele mit Kindern oder Enkeln gewinnen. Genau das macht diesen Wert so wertvoll: Er erinnert dich daran, dass gesundes Altern auch eine Trainingsfrage ist und es neben der Lebenszeit vor allem um die Lebensqualität geht.


Legende der Fachbegriffe

  • VO2max: Maximale Sauerstoffaufnahme, also die größte Menge Sauerstoff, die dein Körper pro Minute und Kilogramm Körpergewicht aufnehmen und verwerten kann (ml/kg/min).
  • Spiroergometrie: Belastungstest auf Laufband oder Fahrradergometer, bei dem die Atemgase gemessen werden, um die VO2max genau zu bestimmen.
  • Maximale Herzfrequenz: Die höchste Zahl an Herzschlägen pro Minute, die du bei maximaler Belastung erreichst.
  • Intervalltraining: Training im Wechsel aus intensiven Belastungsphasen und lockeren Erholungsphasen, etwa nach der 4×4-Methode.
  • Zone-2-Training: Lockeres Ausdauertraining in einem niedrigen Pulsbereich, bei dem du dich noch unterhalten kannst.
  • Beobachtungsstudie: Studie, die Zusammenhänge in großen Gruppen beschreibt, ohne selbst einzugreifen. Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht sicher ableiten.
  • Longevity: Englischer Begriff für Langlebigkeit. Er beschreibt Ansätze für ein langes und möglichst gesundes Leben.

Rechtlicher Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten medizinischen und gesundheitlichen Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung auf fittrend.de. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifiziertes Fachpersonal. Gemäß den Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes (HWG), den Regelungen zu Health Claims sowie den Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit stellen die Beschreibungen keine Heilversprechen dar.